Teilen-Tutorial


oder: Wie man sein Unterrichtsmaterial freigibt

tldr; Lehrende können ihr Material frei lizensieren, freigeben und verbreiten. Das kostet meist nicht viel Zeit. (Manchmal aber doch.)

Einmal Pecha Kucha, bitte…

In einem Twitter-Gespräch über die Präsentationsform Pecha Kucha bot ich an, meine Präsentationsgrundlage, die ich im Unterricht zur Einführung dieser Methode nutze, zu teilen.

Ein wenig voreilig, wie sich herausstellte. Zwar fand ich die Präsentation schnell wieder, musste jedoch feststellen, dass sie noch aus einer Zeit stammt, in der ich weniger akribisch mit offenem Bildmaterial umgegangen bin. Zum Teil fanden sich keine Quellenangaben für CC0-Bilder – die sind zwar nicht notwendig aber für die Nachverfolgung durch Nachnutzende ist es doch ganz beruhigend, kontrollieren zu können, ob der Hersteller von OER auch auf eine saubere Lizensierung geachtet hat. Ferner war noch ein Bild unter NC-Lizenz eingebunden. Auch hier kann es Probleme bei der Nachnutzung geben. Hier gab es nichts zu retten – das Bild musste ausgetauscht werden. Mein damaliger Umgang mit CC0- und NC-Material entspricht nicht meinem heutigen Anspruch an (mein) OER.

Insgesamt habe ich deshalb einige Stunden Arbeit investiert, um die Präsentation nach meinen heutigen Vorstellungen aufzuarbeiten. Unverhältnismäßig viel. Im alltäglichen Geschäft nicht zu leisten. Hätte ich hier von vornherein sauber dokumentiert, hätte ich mir viel Zeit sparen können, denn die Mehrarbeit, die sich durch die Ergänzung der notwendigen Lizenzangaben – bei CC0-Material ist es ja sogar nur das Setzen des Links zur besseren Nachverfolgung – ist für mich, nach einigem Üben sehr überschaubar. Titel, Urheber, Lizenz, Link zum Lizenztext und zum Ursprungsort, ggf. noch eine Angabe zur Veränderung – fertig. Dauert zwei Minuten. Aber wenn man bestehendes Material im Nachhinein anpassen will, kann das schon mal ein Zeitgrab werden.

Freie Software?

Mein Material war in diesem Fall mit PowerPoint erstellt. Zuweilen konvertiere ich noch mein Material und stelle es auch in offener Form zur Verfügung. Die bei der Konvertierung auftretenden Verschiebungen sind meist leicht zu beheben und diejenigen, die mit OpenOffice oder LibreOffice arbeiten, freuen sich über eine sofort einsetzbare Datei. Außerdem bin ich durchaus ein Freund von Open Source-Software. In diesem speziellen Fall ergaben sich aber leider einige unschöne Detailprobleme, da bei einem Pecha Kucha die Zeitvorgaben sehr wichtig sind. Die Übergänge und die wenigen aber wichtigen Animationen haben mir die Datei ziemlich zerschossen und nach einer Stunde mühsamer Frickelei entschied ich, dass ich in diesem Fall bei der pptx-Version belasse.

Hochladen

Wenn man sich schon bemüht, sein Arbeitsmaterial offen zu gestalten, sollte man es auch veröffentlichen und verbreiten, so dass andere davon profitieren können. Das habe ich gemacht. Und zwar hier:

Bildungsmaterialspende

Zunächst nutzte ich den Dienst bildungsmaterialspende.de – eine der sinnvollsten Einrichtungen, die ich im OER-Bereich kenne. Hier lässt sich selbst Erstelltes hochladen, wobei praktischerweise von den fleißigen Initiatoren eine Überprüfung der notwendigen Lizenzangaben vorgenommen wird. Für Menschen, die erst beginnen, sich mit offenen Lizenzformen auseinanderzusetzen, eine wunderbare Hilfe.

Arbeitsaufwand: fünf Minuten

Stolperstein: Der Dienst unterstützt lediglich Dateien bis zu einer Größe von acht MB. Diese absolut notwenige Eingrenzung (= Serverkosten) sollte man kennen, ehe man loslegt.

Screenshot von bildungsmaterialspende.de – nicht unter freier Lizenz

Bei mir hat es nach ein paar Änderungen am Material knapp gepasst – für die meisten Bildungsmaterialien sind acht MB sicherlich völlig ausreichend.

Neben diesem Dienst gibt es einige andere Anbieter, die sich Open Educational Resources verschrieben haben und die das Hosting übernehmen können:

ZUM

Eine weitere Plattform ist die Zentrale für Unterrichtsmedien (ZUM), in der man z. B. sein Material in einem Wiki-Beitrag einbinden kann. Ganz neu ist auch der Bereich ZUM-Unterrichten, in dem „qualitativ hochwertige, freie Lernmaterialien“ veröffentlich werden. Hier ist aber eine gewisse Einarbeitung notwendig.

zebis

Eine weitere Materialdatenbank betreibt das schweizer Portal Zebis, das sich für die Veröffentlichung von OER einsetzt. Es finden sich hier aber auch nicht frei lizensierte und/oder kostenpflichtige Materialien.

tutory

Der Dienst Tutory ist ebenfalls eine Erwähnung wert. Er eignet sich jedoch „nur“ für dort erstellte Arbeitsblätter, nicht zum Hosten bereits bestehender Materialien.

serlo

Auch Serlo ist ein bekannter OER-Anbieter, der zur Mitarbeit anregt.

Cloud-Speicher

Alternativ kann das Hosting auch über einen beliebigen Cloud-Speicher-Anbieter geschehen. Bei umfangreichem Material (z. B. Filme) wird hier aber in der Regel der Zugang durch den Dienstleister beschränkt – Traffic kostet Geld. Zudem muss man sich um die Auffindbarkeit selbst kümmern.

Selbst hosten

Um die Kontrolle über seine OER zu behalten, empfiehlt es sich, sein Material zusätzlich auch selbst zu hosten. Dafür kann man z. B. seinem eigenen Blog nutzen. Unter „Kontrolle“ versteht man hierbei nicht etwa die Sicherheit, dass man sein Material jederzeit wieder entfernen kann, sondern vielmehr, dass man selbst gewährleisten kann, dass es weiterhin erreichbar bleibt. Denn fremde Dienstleister können von heute auf morgen wieder verschwinden.

Arbeitsaufwand: 5 Minuten (wenn nur die Datei freigegeben wird – bei einem begleitenden Blogbeitrag mit didaktischer Erläuterung wird natürlich deutlich mehr Zeit benötigt).

Netzwerken

Der letzte Schritt ist wohl der einfachste. Sprich über dein OER! Ein Hinweis samt Link im sozialen Netzwerk deiner Wahl kann für erhebliche Verbreitung sorgen und ermutigt andere, ebenfalls offen zu arbeiten

Arbeitsaufwand: fünf Minuten

Edutags

Auch das Eintragen des hochgeladenen Materials in OER-Datenbanken kann die Sichtbarkeit erhöhen. Ein Beispiel für einen Dienst, der dies ermöglicht, ist Edutags. Der Name des Dienstes ist weise gewählt: Es geht darum, Material für die Bildung (Education) zu verschlagworten (taggen). Hier wird das Material nicht gehostet, sondern lediglich verlinkt und somit durchsuchbar gemacht. Die Tags sorgen für eine ausgezeichnete Auffindbarkeit.

Arbeitsaufwand: vier Minuten (wenn man bereits einen Account hat)

Stolperstein: Nur mit Desktop-Browserversion und gespeichertem Lesezeichen nutzbar.

Fazit? Machen!

Der Arbeitsaufwand für die Erstellung offenen Materials ist mit ein wenig Übung durchaus überschaubar. Unsicherheiten bei der Lizensierung können mit Hilfe von Bildungsmaterialspende begegnet werden. Fies ist hingegen das Aufbereiten bereits bestehenden Materials, da z. B. das Wiederauffinden genutzter Bilder Zeit kostet. Wer hier sauber arbeitet, wird in Zukunft sein Material ohne Probleme weiterverwenden und teilen können. Das Bereitstellen des Materials in einem offenen Dateiformat ist zu begrüßen und kostet meist auch nicht viel zusätzliche Zeit. Es sollte jedoch kein Dogma darstellen, das eine Veröffentlichung verhindert. Das Verbreiten des Materials in diverse OER-Datenbanken und Netzwerken kostet dann auch noch ein paar Minuten – hier muss man sicherlich nicht alle Dienste abklappern, sondern kann sich auf seine Favoriten beschränken. Bei diesem letzten Schritt ergibt sich auch der Hauptgrund, der einen dazu bringt, sein Material überhaupt zu teilen: Teilen macht Freu(n)de!

Deshalb: Machen!

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