Wie berät man sein Kollegium? Oder: Kanal-Wahl


Zu Beginn meiner Tätigkeit als Lehrer fiel mir auf, dass die in der Schule vorhandene Technik vom Kollegium kaum genutzt wurde. Dies war einer der Gründe, warum ich, mit Erfolg, um die Etablierung und Finanzierung (m)eines medienberatenden Postens bat. Meine (selbstgewählte) Aufgabe wurde es, meinen KollegInnen die Vorzüge digitalen Arbeitens und Lehrens näher zu bringen, ihnen bei Fragen und Problemen zur Seite zu stehen und Fortbildungen anzubieten.
Die erste Entscheidung, die ich zu treffen hatte, war die Wahl des Kommunikationswegs. Wie erreicht man sein Kollegium?

Twitter
Zunächst versuchte ich Twitter als Verbreitungskanal für zahlreiche Hinweise zu frei nutzbaren Materialien im Netz, interessanten Berichten und Fortbildungsangeboten etc. zu etablieren. Die Entscheidung für Twitter fiel vor allem aus praktischen Gesichtspunkten, da man hier seinen Microblog von jedem Computer und vor allem vom Smartphone aus mit minimalem Aufwand pflegen kann.

 

Mein erster medienberatender Tweet

Damals konnte man Tweets noch per RSS abonnieren, deshalb versuchte ich, parallel zu der Werbung für www.twitter.com/medienberater im Kollegium, auch die Vorteile von RSS-Readern als Sammelstelle für Interessantes und beruflich Wertvolles in Fortbildungen und Peer-Gesprächen zu vermitteln. Meine Idee war es, zur Etablierung eines PLN anzuregen.
Allerdings war die Resonanz auf meine Twitteraktivitäten gering. Sehr gering. Twitter war 2009 für die KollegInnen ein extrem nerdiges Nischenangebot und das Wort „Abonnieren“ war gedanklich wohl mit Aufwand und Kosten verbunden und deshalb abschreckend. Am ehesten wurde davon Notiz genommen, wenn ich die Tweets ausgedruckt an mein Infobrett (s.u.) heftete.
Es soll allerdings nicht der Eindruck entstehen, Lehrer würden nicht netzwerken und stünden digitalen Kommunikationswegen grundsätzlich ablehnend gegenüber. Ich hatte wohl einfach nur den falschen Kanal gewählt. Ich begann also damit, den Weg zu nutzen, der bereits etabliert war: E-Mail.

Newsletter
Mein neu entworfener E-Mail-Newsletter enthielt zunächst inhaltlich nicht viel mehr, als in meinen Tweets zu finden war. Allerdings mit den typischen Ausprägungen eines klassischen Newsletters: einer persönlichen Ansprache, einer freundlichen Verabschiedung, thematischen Abgrenzungen und Erläuterungen zu den Link-Tipps, die länger sein durften als 140 Zeichen. Und endlich bekam ich auch Feedback. Anscheinend hatte ich den richtigen Kommunikationskanal gefunden.
In einem Twitterchat (EdchatDE) irgendwann im Frühjahr oder Sommer 2014, kam ich auf eben diesen Newsletter zu sprechen schreiben. Man bat mich, ihn öffentlich verfügbar zu machen. Nach einigen Monaten habe ich nun endlich Zeit gefunden, dieses Vorhaben umzusetzen. Als Plattform wählte ich Evernote, da hier die jeweiligen Ausgaben getaggt und durchsucht werden können. Außerdem können andere Evernote-Nutzer das Notizbuch einfach in ihren eigenen Account einbinden. Natürlich ist es auch mit jedem Browser und ohne Evernotekonto einsehbar.
Da diese Newsletter z. T. auch mit internen Schulinformationen versehen sind, muss ich den ein oder anderen Punkt in der öffentlichen Variante herausnehmen und mit dem Hinweis „intern“ versehen.
Das ganze ist hier zu finden.

Das Brett
Was wäre ein Berater ohne Aushänge? Gerade in Schulen läuft sehr viel über diesen Weg. Es gibt Mitteilungsbücher, Infotafeln, Aufsteller, Monitore und bei besonderen Ankündigungen sogar Flipchartständer, die im Kampf um Aufmerksamkeit die Wände und Ablagen eines Lehrerzimmers in Beschlag nehmen. Ganz zu schweigen von den „wilden“ Plakatieraktionen an Schränken, Tischen und Türzargen. Ich beantragte und besorgte mir also ein Aushangbrett, das seit dem an gut sichtbarer Stelle im Lehrerzimmer über (meine) Fortbildungsangebote informierte.

Anfangs hing ich tatsächlich auch einige Tweets aus. Später dann den Newsletter, technische Anleitungen (zum Beispiel zum Anmeldeprocedere bei unseren schuleigenen Laptops) sowie empfehlenswerte Artikel aus Fachzeitschriften.
Aus reiner Spielerei habe ich mein Brett wie ein ActivBoard dekoriert. Es hat Menüleisten und sogar einen kleinen Papierkorb 🙂 [muss noch ein aktuelles Bild nachreichen…]
Unter dem Brett ist ein Prospekthalter für Flyer oder aktuelle Literatur. Da kommt zum Beispiel die aktuelle L.A. multimedia rein. Oben drüber möchte ich noch ein Regal haben, da sich inzwischen einige Literatur angesammelt hat.

Mit meinen derzeitigen Informationswegen bin ich recht zufrieden. Mein Twitteraccount spielt für die direkte kollegiale Beratung (nach wie vor) keine Rolle, hat sich inzwischen aber zu meinem persönlichen Netzwerkknoten Nr. 1 entwickelt. Hier halte ich Kontakt zu anderen bildungs-, medien- und technikaffinen Menschen, von denen sich manch einer ebenfalls fragt, wie man Lehrer am besten erreichen kann…

Creative Commons Lizenzvertrag
Die Texte und Abbildungen von André Hermes sind lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.


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