Rezension: Facebook, Blogs und Wikis in der Schule


Philippe Wampfler, der Autor des Buchs Facebook, Blogs und Wikis in der Schule, ist Gymnasiallehrer und (wer seinen Blog besucht, wird dies deutlich erkennen) digitaler Praktiker.

Wer sein 174 Seiten langes Taschenbuch liest, den erwartet jedoch keine Darstellung von Nutzungsmöglichkeiten für den Unterricht. Vielmehr wird grundlegend das Nutzungsverhalten junger Menschen mit digitalen Medien analysiert und allgemeine Phänomene und Entwicklungen thematisiert, die sich in Bezug auf Facebook & Co. ergeben. Der Bezug zur Schule ist häufig nur indirekt zu finden. Es ist eher eine Klientelbeschreibung. Wie ticken unsere Schüler? Wie lernen sie heute und warum verhalten sie sich so, wie sie es tun?
Wichtige Merkmale des Web 2.0 werden dargestellt, die Relevanz für die Gesellschaft im Allgemeinen und für junge Menschen im Besonderen wird verdeutlicht. Zuweilen werden die Betrachtungen regelrecht philosophisch.
Dabei ist das Buch keine unreflektierte Lobeshymne auf soziale Medien! Zahlreiche problematische Aspekte, wie beispielsweise die (verlorene) Privatsphäre in sozialen Netzwerken, werden diskutiert. Das Kapitel „Interaktionen mit Schülerinnen und Schülern auf Social Media“, als weiteres Beispiel, weist vorwiegend auf Gefahren hin. Diese sind in der aktuellen Diskussion um ein Verbot des Umgangs von Lehrern und Schülern über soziale Netzwerke (aktuell in Bayern und Baden-Württemberg) in den Medien zu verfolgen. Wampfler fordert hier zwar kein Verbot sondern klare Regeln, die Grundstimmung des Kapitels lässt aber eine eher ablehnende Tendenz erkennen.
An vielen anderen Stellen weist der Autor aber auch auf die erheblichen Vorteile hin, die soziale Medien für Lehrer untereinander bzw. Schüler untereinander bieten. Der Aufbau eines individuellen Lernnetzwerks wird hier besonders hervorgehoben.
Ein weiteres erwähnenswertes, weil deutlich schulbezogenes, Kapitel ist das über ein mögliches Social Media Profil einer Schule.
Die Möglichkeiten und Gefahren werden angeführt, bleiben aber recht allgemein. Vor allem die möglichen Ziele/Vorteile bleiben vage.
Wampflers Buch entstand beim Führen seines Blogs, was sich an vielen der 77 Abschnitte des Werkes noch erahnen lässt, haben die einzelnen Texte doch häufig Blogpostlänge und behandeln einen abgeschlossenen Gedankengang. Für einen Ratgeber ist das optimal. Nimmt man ihn immer wieder mal zur Hand, ist die Kleingliedrigkeit von Vorteil.
Der Autor schildert nicht nur seine eigenen Ansichten sondern lässt noch eine Vielzahl anderer Personen zu Wort kommen. Er zitiert gerne und häufig. Das Literaturverzeichnis liest sich (neben den Belegen zu diversen Studien) wie das ¨Who-is-who¨ des deutschsprachigen Bildungsbloggertums. Ein weiteres Merkmal der blogbezogenen Entstehung des Buches. Ich persönlich empfinde die dadurch entstehende Abwechslung als durchaus bereichernd.
Zum Schluss sei noch die Frage aufgeworfen, für wen sich die Lektüre dieses Buchs empfiehlt.
Wer die JIM-Studie und ähnliche Erhebungen gelesen und den aktuellen Stand der Diskussion zum Thema verfolgt, wird hier nur bedingt Neues erfahren.
Wer zu dem Thema noch gar nichts weiß, wird hingegen in viele Facetten eingeführt und mit den Gefahren vertraut gemacht. Ob die beschriebenen Vorteile einem gänzlich unerfahrenen Leser jedoch klar werden, ist zweifelhaft. Hier wird durchaus Vorwissen verlangt, um der Diskussion folgen zu können. Die Vorschläge zum Aufbau eines Lernnetzwerks sind gut, die angedeuteten Einsatzmöglichkeiten im Unterricht tadellos aber für letztgenannte Lesergruppe in der Kürze nicht nachvollziehbar.
Am ehesten empfehle ich deshalb das Werk Lehrern, Eltern und anderen am Lernen und an Social Media Interessierten, die sich ein wenig mit der Materie auskennen. Durch die Breite der Themen, die in den zahlreichen Kapiteln behandelt werden, ist für jeden etwas dabei.
Ich hätte mir bei einem Buch mit diesem Titel eine stärkere Fokussierung auf die Einsatzmöglichkeiten von Social Media im Unterricht gewünscht. Hier finden sich nur wenige Seiten. Ferner bleiben die Ausführungen eher auf einer Metaebene und der Blick in den Klassenraum entsprechend unkonkret.
Ich bedanke mich beim Autor für die Zusendung des Rezensionsexemplars.

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