Lehrers Wunsch nach verlässlicher Technik


Jöran Muuß-Merholz, hielt auf der Openmind-Konferenz im August 2013 einen Vortrag mit dem Titel „Warum die Digitale Revolution des Lernens gescheitert ist„. Eine seiner Aussagen ist mir besonders im Gedächtnis geblieben und hat mich bewogen, diesen Blogbeitrag zu schreiben.


„Wenn Technik nur zu 90% funktioniert wird sie von Lehrern nicht genutzt.“ 
(Eigentlich war das Zitat etwas länger. Die Kernaussage wird aber wohl auch so deutlich.)


Im Rahmen meiner kollegialen Medienberatung habe ich die Erfahrung gemacht, dass dies tatsächlich einer von mehreren Gründen ist, warum die Bereitschaft von Lehrern abnimmt, Technik einzusetzen. Das hört sich für Außenstehende erst mal seltsam an. Warum braucht diese Berufsgruppe so zuverlässige Technik? 90% ist doch schon mal was. Ich wünschte, mein PC würde das schaffen.
Diese Entscheidung von Lehrern beruht auf zwei Überlegungen:

  • Zum einen ist der Druck der curricularen Obligatorik groß. Wer wertvolle Unterrichtszeit durch fehlerhafte Technik verliert, läuft Gefahr, seinen Unterrichtsstoff nicht durchzubekommen.
  • Zum anderen empfinden viele Kollegen Situationen, in denen sie nicht ¨Herr der Lage¨ sind als Gesichtsverlust gegenüber ihren Schülern. Schüler nehmen dies übrigens ebenso war. Äußerungen wie ¨Herr/Frau xy hat mal wieder versucht einen Computer zu benutzen – ein einziges Fiasko¨, hört man gelegentlich in Flurgesprächen zwischen Schülern. 

Diese Überlegungen sind im Übrigen auch die Ursache für die folgenden andere Gründe, die Lehrer nennen, wenn sie über geringen Technikeinsatz in ihrem Unterricht berichten.

  • Mangelnde Kenntnisse im Umgang mit Technik
  • Das Vergessen der Kenntnisse, wenn die Technik nur selten im Unterricht verwandt wird

Auch hier schwingen fast immer Zeitmangel und Angst vor Gesichtsverlust gegenüber den Schülern mit.

 

Lösungsansätze:


1. Technik verbessern.

  • Die oben angeführten 90% sind für eine Schule schon ein ganz ansehnliches Ergebnis. Um dies zu erreichen müssen finanzielle Mittel und Arbeitsstunden zur Anschaffung, Administration und Wartung der Technik zur Verfügung stehen.
  • Ferner ist eine klare Zuordnung der Zuständigkeien wichtig. Wenn ein Lehrer fehlerhafte Technik melden kann und sich darauf verlassen kann, dass diese zeitnah wieder in Ordnung gebracht wird, wird seine Bereitschaft, dieses Gerät einzusetzen, nicht so stark abnehmen.
  • Schulische Technik sollte möglichst einfach bedienbar und wenig anfällig sein. Jöran Muuß-Merholz hierzu: 
Da ich selbst kaum Erfahrungen mit Geräten der Firma Apple besitze, werde ich das mal unkommentiert stehen lassen. 

2. Förderung der Medienkompetenz der Lehrer 
Wenn ein Gerät nicht so funktioniert, wie es soll, liegt das nicht immer an der Technik. Das Wissen um die Funktionsweise und die Fähigkeit, kleinere Hürden zu umschiffen, sind Aspekte einer Medienkompetenz, die ein Lehrer beim Einsatz im Unterricht haben sollte. Je souveräner der Umgang mit digitalen Geräten ist, desto seltener kann Unterricht durch unerwartetes Verhalten der Technik gesprengt werden.

3. Verringerung der Obligatorik
Wer weniger verpflichtende Themen in seinem Unterricht behandeln muss hat mehr Zeit für aktuelle Themen, für neue Methoden und natürlich auch für erste Schritte in der digitalen Unterrichtswelt.


Fazit:
Meiner Meinung nach ist die Bereitstellung gut funktionierender Technik die Grundlage für digitale Arbeit im Unterricht. Werden die unter dem Punkt 1. genannten Lösungsansätze zur Verbesserung der Technik nicht beherzigt, werden es immer nur einige wenige technikaffine Lehrer sein, die ihre eigenen Tablets und Beamer anschließen oder mit veralteten Laptopwagen Schüler von Problem zu Problem begleiten. Maik Riecken fasst dies in 140 Zeichen auf seine Weise zusammen:

 

Ist diese Grundlage geschaffen (oder zumindest absehbar), kann eine gezielte, dauerhafte und durch kurze Wege gekennzeichnete Stärkung der Medienkompetenz der Lehrer auf fruchtbaren Boden fallen.
Dass diese Kompetenzförderung vonnöten ist, zeigen zahllose Beispiele aus den letzten Jahrzehnten. An vielen Schulen wurden teure Computerräume, Laptopwagen oder gar -klassen eingeführt, ohne für eine hinreichende Weiterbildung des Kollegiums zu sorgen. Die Folge sind frustrierte Schüler, Lehrer und Eltern und jede Menge verwaister Geräte. Eigentlich ein alter Hut. Und schlimm genug: immer noch aktuell.
Es gibt noch zahlreiche weitere Gründe, die Lehrer dazu bewegen, keine Technik einzusetzen. Diese haben jedoch, anders als die oben genannten Gründe, zum Teil andere Ursachen. Eine wunderbare Übersicht hat Beat Doebeli Honegger hier entstehen lassen. Zwar werden dort Argumente gegen eine 1:1-Ausstattung aufgezeigt, viele dieser Bedenken lassen sich aber auch grundsätzlich auf den Einsatz von Technik in der Schule übertragen.

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